Das Datum für unsere nächste Generalversammlung steht: wir treffen uns am 30. April 2022. Auch dieses mal findet die Veranstaltung im Hotel Erica in Langenbruck statt. Die stimmige Atmosphäre im Erica und der grosse Echo auf die letztjährige GV haben den Vorstand bewogen auch dieses Jahr diesen schönen Ort zur Austragung unserer Versammlung zu wählen. Vielleicht entsteht ja daraus eine kleine Tradition.
Various Artists: Kaleidoscope
Soul Jazz Records 2020
von Peter Trübner
Seit 1992 produziert das in London sesshafte Label Soul Jazz Records wunderbare Nachpressungen und eigene Zusammenstellungen. Ein Schwerpunkt des Labels liegt auf dem Jazz/Ska/Reggae der 60er Jahre aus Jamaica, der im Studio One in Jamaica erschienen ist. Doch auch über diesen Bereich hinaus finden sich bei Soul Jazz Records immer Juwelen auf Vinyl. So zum Beispiel die vier Sampler DEUTSCHE ELEKTRONISCHE MUSIK.
KALEIDOSCOPE ist ein derartiges Schmuckstück für die Jazzsammlung. KALEIDOSCOPE gibt auf 3 LPs einen enorm spannenden Überblick über die aktuelle und junge Jazzszene in Grossbritannien. Jedes einzelne Stück ist in meinen Ohren hörenswert. Auf den Innenhüllen sind vier Seiten vollgeschrieben mit Informationen zu den Bands, die in den britischen Clubs in Manchester, Birmingham und London in den letzten Jahren gefeiert werden. Etliche der beteiligten Musiker sind mit einem Kurzportrait vorgestellt.
Ich habe sofort aus der spannenden Auswahl LPs von Mathew Halsall, ILL Considered, Collocutor, Theon Cross bestellt und festgestellt: Die Auswahl ist repräsentativ für die einzelnen Künstler. Die LPs sind im gleichen spannenden Sound wie die Auswahl auf KALEIDOSCOPE. Soul Jazz Records zeigen sich nicht nur als Experten für den jamaikanischen Jazz, der zum Reggae führte. Vielmehr kennen sie sich im aktuellen Jazz bestens aus. Warum englische Jazzmusiker mit ihrem eigenen Jazz inzwischen selbst in den USA Anerkennung finden, das lässt sich mit KALEIDOSCOPE auf dem Plattenteller hören.
Jürg Jecklin – jetzt nimmt er nur noch himmlische Klänge auf
Das neue AAA-Heft – Ausgabe Winter 2021 – beginnt mit einem ausführlichen Interview von Ernst Müller mit Jürg Jecklin zu seiner «Scheibe». Das Heft war schon fast im Druck, als uns die traurige Nachricht erreichte, dass Jürg Jecklin nach kurzer schwerer Krankheit gestorben ist. Im nächsten Heft folgt eine Würdigung dieses aussergewöhnlichen Tonmeisters und Audio-Spezialisten. Jürg Jecklin war auch ein spannender und witziger Conférencier, weshalb wir gerne auf einen Vortrag verweisen, den er im Jahre 2014 im Klangschloss Greifensee gehalten hat:
«Jürg Jecklin – von Edison bis Surround» - eine Geschichte der Aufnahmetechnik.
Patricia Barber in Superqualität
von Urs Mühlemann
Patricia Barbers Alben gelten als audiophile Vorzeigestücke. Hier werden ihre drei letzten Alben vorgestellt, die allein schon wegen der überragenden Aufnahmequalität in die Sammlung gehören. Die beiden neuesten Alben wurden im atemberaubend detaillierten DXD und DSD Verfahren aufgenommen, weshalb sich die Anschaffung auch als SACD lohnen könnte, weil «recorded, mixed, and mastered in High Resolution DXD (352.8kHz/32bit) using a Horus/Pyramix recording system».
Die hier abgebildeten Exemplare tönen schlicht und ergreifend superb. Patricia Barbers eher spröde Stimme und ihr cooler Vortrag sind Geschmackssache, die Band (mit Barber als Pianistin) spielt umwerfend filigranen Jazz.
Ihr vorletztes Album «Smash» von 2013 tönt auf der MFSL-Double-LP schon hervorragend. Sechs Jahre später hat sie erneut mit Grammy-Gewinner Jim Anderson als Tonmeister zusammengearbeitet und für das Mastering wiederum Bob Ludwig gewonnen. «Higher», Patricia Barbers elftes Studioalbum (Impex, 2019), beginnt mit dem Liederzyklus «Angels, Birds, and I» den sie gleichermassen für Klassiksänger, Jazzinterpreten und Instrumentalisten geschrieben hat. Die acht Titel stehen für Barber am Ende eines Prozesses, während dem sie ein eigenes harmonisches System entwickelt hat, das keinen Einschränkungen mehr unterliegt. Daneben präsentiert sie drei ihrer vormals in Live-Auftritten gefeierten Arrangements von Titeln des Great American Songbook. Begleitet wird sie von ihren langjährigen Mitstreitern Patrick Mulcahy (Bass), John Deitemeyer (Schlagzeug) und Neal Alger (Gitarre).
In derselben Studiosession wurden weitere Titel aufgenommen, die nun zwei Jahre später unter dem Titel «Clique!» (Impex, 2021) veröffentlicht worden sind: eine erneute Sammlung von Standards, die Barber bislang nur bei Konzerten als Zugabe gespielt hat. Begleitet wird sie von denselben Musikern. Während die Jazz-Pianistin und Singer-Songwriterin in «Higher» ohne grosse rhythmische Gebundenheit mit ihren exzellenten Musikern durch einen acht Songs umfassenden Block von vertonten Gedichten schwebt, ergänzt mit drei Standards, kommt ihre verspieltere Seite in «Clique» vermehrt zum Zuge. Das Getragene, Ruhige, Innige, Atmosphärische, welches Barbers Oeuvre auszeichnet, ist wohl noch gut hörbar, wird indessen dank den höchst eigenwilligen Arrangements um eine nach aussen gerichtete Komponente erweitert. Klasse.
Mingus at Carnegie Hall, 1974/2021 (Atlantic)
von Urs Mühlemann
Im Frühsommer 2021 erschien die auf zwei CDs (Rhino) bzw. drei LPs (Runoutgroove) angelegte Deluxe Edition dieses Jazz-Meilensteins. Die Neuveröffentlichung umfasst das vollständige Konzert und dokumentiert (nach der Ansage von Art Weiner) die 74 Minuten des Sextetts von Mingus, die dem All-Star-Jam vorausging. Es handelt sich um die Titel «Peggy’s Blue Skylight», «Celia», «Fables of Faubus» und «Big Alice» in ausgedehnten Versionen. Wie im Konzert 1974 endet auch diese Edition mit dem «C Jam Blues» (anders als die früheren Ausgaben von «Mingus at Carnegie Hall»). Die 1975 veröffentlichte LP enthielt nur die beiden (langen) Zugaben des Konzertes mit den Gästen Kirk/Handy/McPherson. Die erste Konzerthälfte bestritt die Gruppe Mingus/Faddis/Adams/Bluiett/Pullen/Richmond mit bekannten Mingus-Klassikern und dem Pullen-Evergreen «Big Alice». Die Spiellaune ist ansteckend. Die Solisten heben ab und finden doch immer wieder zusammen. Ein hervorragendes Konzert mit grossartigen Musikern! Es war das letzte Live-Album des Bassisten und Bandleaders (der fünf Jahre später starb).
Der warme, klare, saubere Klang ist nebst der Konzerthalle auch dem ausgezeichneten Mastering aufgrund der Originalbänder zu verdanken.
Line-up: Bass: Charles Mingus; Trompete: Jon Faddis; Altsaxophon: Charles McPherson; Altsaxophon, Tenorsaxophon: John Handy; Tenorsaxophon, Stritch: Rahsaan Roland Kirk; Tenorsaxophon: George Adams; Baritonsaxophon: Hamiet Bluiett; Piano: Don Pullen; Schlagzeug: Dannie Richmond.
Die neue Ausgabe von MINT ist erschienen
von Urs Witschi
Seit der ersten Ausgabe von MINT bin ich Abonnent. Da bin ich wohl nicht ganz alleine im Verein. Nun ist die 47. Ausgabe erschienen und wieder voller interessanter Themen. Ich hätte nicht gedacht, dass sich über so viele Ausgaben hin immer wieder spannende Inhalte finden. Aber mit dem Vinyl-Boom ist auch die Vinyl-Welt gewachsen und so gibt es immer wieder über Neues zu berichten.
Diese Ausgabe widmet sich im Hauptartikel wieder einmal dem Thema Plattenpflege und was alles dazu gehört. Weiter Themen sind Jukeboxen, Decca, Buena Vista Social Club, Reiner Gläss und natürlich eine Unzahl von Plattenbesprechungen.
Vinyl-Industrie erneut stark gefährdet?
von Urs Mühlemann
Der weltweite Bedarf an Schallplatten wird von weniger als 100 Presswerken gedeckt, und die neuesten, vom britischen «New Statesman» erhobenen Daten zeigen, dass diese Werke nur die Hälfte der geschätzten weltweiten Nachfrage nach Vinyl decken. Die gestiegene Nachfrage und die steigenden Rohstoffpreise haben zu enormen Verzögerungen in den Presswerken geführt: vor allem wegen Preiserhöhungen bei PVC, einem wichtigen Bestandteil von Schallplatten, nachdem es aufgrund extremer Wetterbedingungen in Texas – wo ein grosser Teil des weltweit produzierten PVCs hergestellt wird – zu einer weltweiten Verknappung gekommen war. Auch der Preis für Pappe (Karton), die für Schallplattenhüllen verwendet wird, ist um 10–15 Prozent gestiegen, was angeblich auf den «Amazon-Effekt» zurückzuführen ist, d.h. wegen des massiv angestiegenen Online-Handels wird mehr Verpackungsmaterial benötigt.
Solche Preiserhöhungen haben dramatische Auswirkungen auf die unabhängigen Labels, die bereits mit den Major-Labels um einen fairen Anteil an den Presswerkskapazitäten kämpfen. Jedes Mal, wenn eine neue Platte gepresst wird, muss eine Matrize gewechselt werden. Daher ist es für die Werke wirtschaftlich sinnvoll, Aufträgen von Grosslabels, bei denen es sich in der Regel um grosse Mengen ein und desselben Tonträgers handelt, Vorrang vor Aufträgen von Indie-Labels zu geben, bei denen unter Umständen mehrere Matrizenwechsel erforderlich sind, bevor eine Auflage fertig ist. Das Ergebnis ist eine wachsende Kluft zwischen den Vorlaufzeiten für Bestellungen von Grosslabels – einschliesslich der Record Store Day-Pressungen, die die Lieferkette seit langem unterbrechen – und denen von unabhängigen Unternehmen.
Ein Beispiel: Ein Indie-Produzent erhielt er von «einem der besten Presswerke in Deutschland» einen Kostenvoranschlag über 15 Pfund für eine Doppel-LP. Unter Berücksichtigung der Aufschläge von Distributoren und Einzelhändlern rechnet er mit einem Endverkaufspreis von £35. «Und ich mache mir wirklich Sorgen: Werden die Leute £35 für ein Debüt-Album von jemandem ausgeben, den/die sie nicht kennen?»
Die Standard-Doppel-LP-Ausgabe von Billie Eilishs aktuellem Nummer-eins-Album, das beim Label Polydor erschienen ist, kostet 36,99 Pfund. Die grossen Labels haben die Marktmacht, die Preise für Platten zu erhöhen, von denen sie wissen, dass sie sich verkaufen werden – gross vermarktete Pop-Veröffentlichungen wie die von Eilish oder klassische Neuauflagen von Acts wie Fleetwood Mac oder Madonna. «Wenn die Preise steigen, werden die Leute weniger bereit sein, für Indie-Musik, für riskante Musik, für unbekanntere Sachen zu zahlen – und das ist der Bereich, in dem ich arbeite», sagt der Indie-Produzent.
Die Leidtragenden sind indessen nicht bloss wir Konsumenten, sondern die Künstler, die ihr (Debüt-) Werk eben für ihr spezielles Publikum in der Vinyl-Version veröffentlichen möchten. Eine entsprechende Planung (Aufnahme, Live-Gig, LP-Verkauf usw.), erst noch nach bzw. mitten in der Corona-Pandemie, ist kaum noch möglich. Die unahängigen und/oder noch nicht bekannten Künstler*innen sind gefährdet. Mit Streaming lässt sich nicht leben. Bleibt als Alternative also die CD? Die wirft andere Probleme auf.
Weitere Details und zusätzliche Infos über diesen Link:
Les McCann: PUMP IT UP
esc records 2001
von Peter Trübner
Unser Redakteur Ulrich Zbinden machte mich auf diese LP aufmerksam, die ich beim Erscheinungstermin im 2001 nicht wahrgenommen hatte. Was Les McCann hier herausgebracht hat, ist für mich die ultimative Funk-Langspielplatte. Wir alle kennen die Roberta Flack Komposition Compared To What in der Fassung, die Les McCann zusammen mit Eddie Harris im Juni 1969 in Montreux aufgenommen hat. Dieses Feeling aus seinem Gesang liess er auf PUMP IT UP von einer musikalischen Elite begleiten. Ich will daraus nur Billy Preston, Maceo Parker, Marcus Miller und Bill Evans erwähnen. Im Ganzen ist auf jedem Titel spürbar, wie guter Funk im Jazz mit seiner Improvisationsfreude fundiert ist. Innen, im Gatefold-Cover der sauber gepressten LP, sind die Texte der Lieder und jeweils alle Musiker aufgeführt, die ihn in immer wieder neuer Zusammensetzung begleitet haben.
Unsere Generalversammlung in der AUDIO SWISS
Der Kauf der aktuellen Audio lohnt sich diesmal für uns Analogis besonders, ist doch unsere Generalversammlung und damit das begeisternde Konzert von Richard Koechli mit seinem Trio in der beiliegenden «Audio Swiss» erwähnt. Der Autor Lothar Brandt, aktives Mitglied in unserem Verein, bringt die Freude, die der Anlass gebracht hat, schön rüber.
Die AUDIO SWISS ist eine auf die Schweizer Szene ausgerichtete Zeitschrift und erscheint alle drei Monate als Beilage der Zeitschriften AUDIO und stereoplay. Immer in deren Ausgaben 3, 6, 9, 12. Quartalsmässig eingeordnet als Q1, Q2, Q3 und Q4 des jeweiligen Jahres. Zuletzt um den 10. August, die nächste dann um den 10. November 2021.
Den Beitrag könnt ihr hier als PDF lesen.